Salpetersäure im Abwasserkanal

Gefahrgutunfall auf der Insel Reichenau 1 000 Liter ausgelaufen - 28.02.2007

Ansprechpartner: Thomas Baumgartner
Telefon: 07534-7171
E-Mail: pressestelle@feuerwehr-reichenau.de
Bericht: Pressemitteilung
Bilder
Nähere Erläuterungen (WikiPedia)
 

 

Pressemitteilung
- Gemeinsame Presseerklärung der Feuerwehren Reichenau und Konstanz -

Ausgelaufene Salpetersäure beschäftigte am Mittwochnachmittag ab etwa 14.40 Uhr bis zum Abend drei Feuerwehren. Die Flüssigkeit war aus einem zerplatzten Behälter ausgetreten, als dieser beim Entladen aus einem Lastwagen auf den Boden gestürzt war. Eine Gefahr für die Bevölkerung und Umwelt bestand nicht.
Am Reichenauer Gärtner Center wurde ein Behälter mit verdünnter Salpetersäure (38-prozentig) entladen. Diese Chemikalie ist stark ätzend, greift Metalle an und ist wassergefährdend. Wie Augenzeugen berichteten, verhakte sich die Plane des Lastwagens an dem 1 000 Liter fassenden Tank. Ein heftiger Windstoß habe daraufhin den Behälter auf den Boden stürzen lassen, berichteten Augenzeugen. Der Tank platze auf und die Flüssigkeit entleerte sich binnen Sekunden, schilderte Kreisbrandmeister Rolf-Jürgen Stoffel. Das Gefahrgut floss anschließend fast vollständig in einen Ablauf des Mischwasserkanals, der sowohl Abwässer aus Haushalten und Gewerbebetrieben als auch Oberflächenwasser aufnimmt.
Die umgehend alarmierte Freiwillige Feuerwehr Reichenau brachte in der Gewerbestraße eine Abdichtblase im Kanal an, so dass sich ein Teil der Flüssigkeit nicht weiter ausbreiten konnte. Parallel hierzu hatte die Wasserschutzpolizei mit Unterstützung von Landes- und Bundespolizei den Unfallort in Windrichtung vorsorglich großräumig abgesperrt. Dabei kam es zu einem Verkehrsstau, der sich jedoch rasch auflöste, nachdem das Sperrgebiet deutlich verkleinert werden konnte. Aus Vorsicht blieben unter anderem das Reichenauer Gärtner Center und ein nahe liegender Supermarkt geschlossen, so dass deren Mitarbeiter frühzeitig Feierabend hatten.
Wieviel Säure im Kanal abfloss ist nicht bekannt. Die Konstanzer Kläranlage, die das Abwasser von der Insel Reichenau aufnimmt, ist verständigt. Es wird jedoch etliche Stunden dauern, bis das Abwasser dort eintrifft. Neben der Entfernung müssen auch mehrere Pump- und Hebewerke überwunden werden, was die Fließgeschwindigkeit verringert. Ein Vorteil dabei ist, dass sich die Salpetersäure weiter verdünnt und so zunehmend unschädlich wird.
Die im Kanal aufgestaute Flüssigkeit pumpte der Gefahrgut-Zug der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz mittels einer Membranpumpe mit Teflongehäuse in mehrere Kunststoffbehälter. Da deren Anzahl nicht ausreichte, ließ Einsatzleiter Thomas Baumgartner weitere Fässer von der Freiwilligen Feuerwehr Radolfzell an die Einsatzstelle bringen. Nachdem der Kanal von einem Fachunternehmen gespült worden war, hatte die Konzentration der Salpetersäure einen ungefährlichen Wert erreicht, so dass die Feuerwehren mit dem Rückbau der Einsatzstelle beginnen konnten.
Salpetersäure, das an der Oberfläche aufgefangen werden konnte, wurde gebunden und wird fachmännisch entsorgt. Die Kunststofffässer brachte der ursprüngliche Lieferant mit seinem Lastwagen zur Kläranlage. Diese werden in ein vorbereitetes Klärbecken entleert, so dass die säurehaltige Flüssigkeit nach und nach dem normalen Klärprozess zugeführt werden kann. Da die Säure den Kalk im Zement angreifen kann, untersucht der Bauhof in der nächsten Zeit eigens betroffene Abschnitte des Kanals auf Schäden.
Autor: nea

Unter der Gesamt-Einsatzleitung von Stv. Kommandant Thomas Baumgartner waren insgesamt 31 Feuerwehreinsatzkräfte (16 FF Reichenau, 12 FF Konstanz, 3 FF Radolfzell) im Gefahrguteinsatz. Der Gefahrgutzug der FF Konstanz war unter der Leitung von ihrem Zugführer Klaus-Peter Wehner. Mit vor Ort waren der Kreisbrandmeister Rolf-Jürgen Stoffel, Ortsbaumeister Rapfael Grimm, Kanalwart Eduard Gröner, 1 Mitarbeiter EBK Konstanz und mehrere Kräfte der Polizei unter Leitung von Klaus Oechsle und kurzzeitig Bürgermeister Volker Steffens und Hauptamtsleiter Michael Lieske.
Insgesamt waren Fahrzeuge im Einsatz: 2x Löschfahrzeuge (LF16 + LF8/6 und 1x Mannschaftstransportwagen (MTW)der FF Reichenau, 1x MTW, 1x Gerätewagen Gefahrgut (GW-G), 1x Wechselladerfahrzeug (WLF) mit Wechselpritsche mit Auffangbehältern für gefährliche Flüssigkeiten und 1x ABC-Erkundungsfahrzeug der FF Konstanz und 1x Gerätewagen Logistik (GW-T).

Einsatzende war um 19:22


Link zur Internetseite der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz:
http://feuerwehr-konstanz.schutzbach.com/einsaetze2007.php#496





nachoben.gif (269 Byte)

 

Bilder


Ein Teil der Salpetersäure war auf den Lagerplatz geflossen.

Foto: FF Reichenau


Das Wechselladerfahrzeug (WLF) mit Wechselpritsche mit Auffangbehältern für gefährliche Flüssigkeiten der FF Konstanz rückt an.

Foto: FF Reichenau


Drei der HPDE-Auffangbehälter mit jeweils 880l Fassungsvermögen, wurden von Hand abgeladen. Weitere drei wuren von der FF Radolfzell gebracht.

Foto: FF Reichenau


Die im Kanal aufgestaute Flüssigkeit wurden mit einer Membranpumpe mit Teflongehäuse in mehrere Kunststoffbehälter gepumpt.

Foto: FF Reichenau

 

nachoben.gif (269 Byte)

 

Wikipedia-Links
Wikipedia-Eintrag zum Thema: Salpetersäure
Wikipedia-Eintrag zum Thema: Membranpumpe

 

nachoben.gif (269 Byte)